Wagen wir ihn, den Neuanfang?

„Was soll ich tun? Wenn ich so seh´, ich kann den Wind nicht ändern, nur die Segel drehen. Tausend Fragen schlagen Rad. Ich will kein neues Leben, nur einen neuen Tag. Was tut gut? Was tut weh? Ein Gefühl braucht keine Armee. Vor, zurück, zur Seite, ran. Herzlich Willkommen – Neuanfang!“

Einen neuen Lebensabschnitt beginnen, die Stadt oder die Arbeitsstelle wechseln, auf eine neue Schule gehen, eine neue Beziehung eingehen, die Geburt des ersten Kindes. Es gibt Momente in unserem Leben, da verändert sich einiges. Mal ist der Neuanfang freiwillig, mal haben wir keine Entscheidungsgewalt darüber. Clueso singt in seinem Lied über den Mut, den ein bewusster Neuanfang benötigt. Neuanfänge gehören zu unserem Leben dazu. Und doch fallen sie uns nicht immer leicht. Denn jeder Neubeginn ist auch ein Bruch im Leben. Das, was war, ist nicht mehr. Vertrautes geht verloren, Gedanken schwirren durch den Kopf und die Unsicherheit wächst – war die Entscheidung richtig? Die Zukunft liegt ungewiss vor einem. Ein Neuanfang ist ein Moment, in dem man genau auf der Grenze steht – es gibt kein Zurück mehr und der Schritt in die Zukunft erfordert viel Mut. Mut zu neuem Leben.

Dass sich Neuanfänge immer durch unser Leben ziehen, weiß auch die Bibel. Und so ist sie voll von davon. Noah, Abraham, Lot, Paulus… Sie alle haben ihr bisheriges Leben hinter sich gelassen und haben neu angefangen. Eine meiner Lieblingserzählungen ist die über den Zöllner Zachäus. Zöllner waren in der damaligen Zeit sehr verhasst, da sie oft mehr Steuern einnahmen, als sie durften und sich so ihre eigenen Taschen mit fremden Geld füllten. Zachäus wurde zwar sehr reich, verlor aber die Anerkennung der Anderen. Die Menschen würdigten ihn keines Blickes und hassten ihn. Nun hörte Zachäus, dass Jesus von Nazareth nach Jericho kommen sollte. Neugierig war er ja schon, wer dieser Mann war. Also entschloss er sich, sich Jesus einmal anzusehen. Doch Zachäus war viel zu klein, um in dieser großen Menschenmenge überhaupt etwas sehen zu können. Dann fiel ihm ein Maulbeerfeigenbaum auf, der perfekte Sicht auf Jesus bot. Kurz entschlossen kletterte Zachäus auf ihn und ja – endlich! – konnte er einen Blick auf Jesus erhaschen. Als Jesus dann an die Stelle kam, passierte das Unglaubliche. Jesus blickte hoch, schaute Zachäus an, schaute ihn an und sagte zu ihm: „Zachäus, komm schnell herunter, denn ich möchte heute in Deinem Haus zu Gast sein.“ Jesus? Bei ihm zu Hause? Zu Gast? Sofort kletterte Zachäus aufgeregt den Baum wieder hinunter und nahm Jesus freudig bei sich auf. Die Leute waren überhaupt nicht begeistert, ging Jesus ausgerechnet mit einem so schlechten Menschen mit, anstatt bei ihnen einzukehren. In Zachäus aber veränderte sich etwas durch die Begegnung mit Jesus, dadurch, dass er ihn wahrnahm, ansah, sich ihm zu-wendete, mit ihm sprach. Und so entschied er sich, die Hälfte seines Vermögens den Armen zu geben, seinen Beamtenberuf aufzugeben und Jesus zu folgen. (Lk 19, 1-10)

Wieviel Mut muss Zachäus aufgebracht haben, einzugestehen, dass er im Unrecht war und zu seinem Fehlverhalten zu stehen. Er kehrte seinem bisherigen Leben den Rücken zu, entschied sich bewusst für ein Leben mit Christus und ging so im Vertrauen zu Gott in eine ungewisse Zukunft. Dies konnte er nur, weil er wusste, dass er einen Partner an der Seite hat, der ihn durch sein Leben begleitet, bei dem er sich fallen lassen kann und dem er vertrauen kann, dass er ihn für diesen einen Moment halten wird – auch wenn er stürzt.

Ja, zu einem Neuanfang benötigt man Mut. Auch für mich und Sie als Gemeinde beginnt eine neue Zeit – die nächsten zwei Jahre werde ich bei Ihnen meinen Probedienst ableisten. Eine neue Stadt, ein neues Arbeitsumfeld, viele neue Erfahrungen und Begegnungen, neue Lernfelder und Aufgabenbereiche stehen bevor. Eine spannende, aber auch ungewisse Zeit liegt vor mir, vor uns. Wie gut tut da das Wissen, dass wir Neuanfänge – genauso wie Zachäus – nicht alleine angehen müssen, sondern Gott treu und fest an unserer Seite steht. Und in diesem Wissen können wir auch aus vollem Herzen singen: Herzlich willkommen – Neuanfang!

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