Am Pfingstsonntag wurden im Gottesdienst in Weisweiler insgesamt 8 Täuflinge getauft. Fünf kleine Kinder und drei junge Männer, die gebürtig aus dem Iran stammen. Seit Ende letzten Jahres leben Sie als Flüchtlinge in Eschweiler und haben Asylanträge gestellt. Seit ihrem Eintreffen in der Stadt haben sie Kontakt zur Kirche gesucht. Wir haben sie kennen gelernt, weil sie zusammen mit einigen anderen Landsleuten in unseren Gottesdienst kamen.

Seitdem besuchen sie regelmäßig die Gottesdienste in Weisweiler und Dürwiß. Die Drei, mit Namen Mostafa, Ehasan und Mohammad, haben schon bald den Wunsch geäußert, getauft zu werden und zur Kirche zu gehören. Seitdem habe ich mich regelmäßig mit ihnen getroffen, um mit ihnen über den christlichen Glauben und die Kirche zu reden. Wir haben eine Art Taufunterricht organisiert, der die Voraussetzung dafür ist, dass erwachsene Menschen getauft werden können.

Natürlich gab es ein großes Sprachproblem, denn die drei Flüchtlinge sprachen noch kein Deutsch und ich kein Farsi, die Sprache, die im Iran gesprochen wird. Aber mit der Hilfe von Hossein Vanaki, der mit seiner Frau Marjan schon seit mehr als zwei Jahren zu unserer Kirchengemeinde gehört, und der uns jetzt als Dolmetscher unterstützt hat, war der Unterricht zur Taufe möglich.
Bei den persönlichen Gesprächen ist mir aufgefallen, dass die drei als Muslime aufgewachsenen jungen Männer großes Interesse am Christentum mitbringen. Vor allem eine freiere Religionsausübung scheinen sie zu suchen, außerdem einen Glauben, der auf die Liebe setzt, auf die Freiheit und den Frieden. Sie verstehen Jesus als das große Vorbild eines Lebens, das sich den Menschen in ihrer gottgegebenen Würde und Ganzheit widmet. Freiheit und Gerechtigkeit, das sind die großen Stichworte der Reformation Martin Luthers, die wir im nächsten Jahr mit dem 500. Jubiläumsjahr feiern. Dass den Worten Taten und ein glaubwürdiges Zeugnis christlichen Lebens folgen, das ist die große Herausforderung auch und gerade in unserer Zeit.

Für mich als Pfarrer der evangelischen Kirche war es wichtig, mit der Unterstützung auch der Presbyterinnen und Presbyter, den jungen Asylsuchenden offen, aufrichtig und gastfreundlich zu begegnen. Dazu gehörte, ihnen Rede und Antwort zu stehen auf all ihre Fragen und sie in ihren alltäglichen Problemen zu unterstützen. Da mussten Fahrräder besorgt werden, um mobil zu sein. Da musste eine Wohnung gefunden werden, um aus den am RWE aufgestellten Notcontainern ausziehen zu können. Renovierung und Einrichtungsgegenstände müssen organisiert werden, damit ein selbstständiges Leben möglich werden kann. Dazu noch die Frage, wie es mit Sprachkursen weiter geht und wann die ersten rechtlichen Schritte im Asylverfahren anstehen.

Am liebsten würden sie gleich arbeiten und sich nützlich machen. Am häufigsten fragen sie nach der Möglichkeit, sich mit anderen treffen zu können, um die neue Sprache zu sprechen. Am meisten vermissen sie ihre Familie in der Heimat. Es wird ein langer und nicht einfacher Weg werden bei uns in der Fremde. Aber wir können einiges dazu tun, dass sie ankommen, ein Zuhause finden und der Weg am Ende gelingt. Wer uns dabei helfen und uns in der Flüchtlingsarbeit unterstützen will, darf sich gerne bei mir oder bei unserer Presbyterin Marliese Deringer melden. Jede Hilfe ist willkommen.

Pfarrer Wolfgang Theiler