2016 03 poetry slamGott hat einen Traum:
dass jeder Mensch mit jedem Tier und jedem Baum
einmal glücklich und friedlich
zusammenlebt.
Dieser Traum ist groß
scheint weit weg, utopisch, doch bloß
deswegen hat Gott ihn nicht als Schrott
bei Seite gelegt
Nein er träumt ihn weiter,
denn er befreit sehr,
stimmt ihn heiter
er träumt ihn weiter.
 
Weihnachten ist das Fest der Liebe.
Wir feiern Jesus, der Nächstenliebe praktizierte.
Wir feiern seine Großzügigkeit,
die Größe seiner Züge,
seine Liebe.
Jedes Jahr werden wir neu dran erinnert,
dass wir unser Leben leben sollten
ohne dass man das Anderer verschlimmert,
sondern indem man es verbessert.
 
Doch noch so viele tun es nicht
Zu viele sind viel zu erpicht
nur auf sich.
Die Flüchtlingskrise macht das deutlich:
Die Angst vor den Fremden häuft sich.
Die Angst so vieles zu verlieren;
so vieles abgeben zu müssen für die,
die da, die Fremden, die Massen. Sie
haben viele Namen und alle machen blind
für das was „die da“ wirklich sind;
nämlich Menschen.
Menschen wie du und ich.
Und Menschen wie du und ich flüchten nicht,
flüchten nicht mal so eben
und riskieren dabei ihr Leben,
nur weil sie denken,
woanders könnt‘s noch mehr Luxus geben.
„Dort drüben verdiene ich knapp ein Drittel mehr
schwimm‘ ich doch mal eben übers Mittelmeer“
Nein, Menschen wie du und ich flüchten,
weil sie um ihr Leben fürchten.
Und wir müssen endlich kapieren:
Diese Menschen wollen uns nicht ruinieren,
um selbst das beste Leben zu führen.
Sie wollen einfach nicht krepieren.
Sie sind die Menschen, denen es am Schlechtesten geht.
Warum nicht ein wenig geben?
Wir verlieren Luxus, aber ermöglichen Leben.
 
Nächstenliebe funktioniert nicht bei Massen.
Massen kann man nicht lieben,
Massen kann man nur hassen;
Aber Menschen, die kann man lieben
und ihnen ermöglichen ein lebenswertes Leben zu führen.
 
Gott hat einen Traum:
Dass jeder Mensch mit jedem Tier und jedem Baum
einmal glücklich und friedlich
zusammenlebt.
Auch wenn dieser Traum utopisch scheint,
träumt ihn mit, träumt ihn vereint.
Denn je mehr Menschen diesen Traum teilen,
desto mehr lässt er sich erfüllen;
für alle Menschen, alle Tiere, alle Bäume;
Wenn auch nur in kleinen Teilen.
Die Welt wird besser, wenn wir träumen.
 
Viola Korff

(Der Text wurde von Viola Korff in der Christmette an Heiligabend in der Auferstehungskirche als Poetry Slam vorgetragen)