Wann eigentlich jemandem aufgefallen ist, dass in diesem Jahr der Wahlsonntag zum Presbyterium auf den Valentinstag fiel, das habe ich mich schon gefragt. Der Valentinstag, zu Ehren des Heiligen Valentin, dem Schutzpatron der Liebenden, ist ein besonderer Tag, Zeit und Gelegenheit, seine Liebe zu zeigen und zu feiern mit kleinen Aufmerksamkeiten, mit Blumen und Geschenken.
 
Man könnte sagen, da passt so eine bürokratische Handlung wie eine Wahl überhaupt nicht dazu. Man könnte aber auch meinen, dass es gerade gut zusammen passt. Denn bei der Presbyteriumswahl geht es um ein Stück Liebe zur Kirche. Das Herz als Zeichen der Liebenden und das Kreuz als Zeichen der Kirche Jesu Christi sind nun wirklich keine Gegensätze. Das zeigt schon Martin Luther in der Wahl seines Wappens. Es war vor 500 Jahren üblich, dass bedeutende Familien ein Wappen führten, mit dem sie ihre Briefe und Schriften als von ihnen verfasste kenntlich machten.
 
Luther schreibt selbst zur Erklärung seines Zeichens, der Lutherrose, folgende Sätze:
"Es ist ein Merkzeichen meiner Theologie. Das erste sollte ein Kreuz sein, schwarz im Herzen, das seine natürliche Farbe hätte, damit ich mir selbst Erinnerung gäbe, dass der Glaube an den Gekreuzigten mich selig macht. Denn so man von Herzen glaubt, wird man gerecht.
Solch Herz aber soll mitten in einer weißen Rose stehen, anzeigen, dass der Glaube Freude, Trost und Friede gibt. Darum soll die Rose weiß und nicht rot sein; denn weiße Farbe ist der Geister und aller Engel Farbe.
Solche Rose steht im himmelfarbenen Feld, dass solche Freude im Geist und Glauben ein Anfang ist der himmlischen Freude zukünftig. Und um solch Feld einen goldenen Ring, dass solche Seligkeit im Himmel ewig währet und kein Ende hat und auch köstlich ist über alle Freude und Güter, wie das Gold das edelste, köstlichste Erz ist."
 
Wir hören und sehen also, wie die Liebe im Zentrum des christlichen Glaubens steht und zwar mit dem Kreuz. Herz und Kreuz gemeinsam.
Die Menschen, die zur Presbyterwahl antreten, tun das aus freiem Gemüt, sie tun es freiwillig, ehrenamtlich, sie tun es, weil sie eine Liebe haben zur Kirche, zu ihrer Gemeinde. Das ist so wichtig, dass die Leitung der Gemeinde aus Liebe geschieht, dass die Gemeinde lebt, dass sie wächst, dass sie ein offenes, freundliches Gesicht trägt, das kann ja nicht das Gesicht des Pfarrers allein sein, dazu gehören auch die, die ein anderes Amt bekleiden, wie das Amt der Prebyter, die der Gemeinde vorstehen.
Die Liebe zur Kirche aber wurzelt in der Liebe zu Gott. Denn es geht nicht darum, einen Betrieb aufrecht zu erhalten, eine Geschäftsidee oder einen Verein. Bei der Gemeinde geht es um den Ort, an dem Gott eine Wohnung bereitet wird. Ein Ort, an dem Gottes Name zärtlich ausgesprochen würde, sein Name besungen und gepriesen wird. Es geht auch im Presbyteramt, auch in der Leitung der Kirchengemeinde, um die Liebe zu Gott, um unsere Beziehung und Nähe zu dem, den wir Gott nennen, und dem, was wir von Gott erfahren.
 
Die Liebe zu Gott macht sich am allermeisten fest in dem großen Gedanken: Ach Gott ich danke dir dafür, dass du mich so wunderbar geschaffen hast. Ich danke dir dafür, dass du mir Familie und Freunde an die Seite gestellt hast, die mich lieben und für die ich da sein darf. Die Liebe zu Gott äußert sich zweitens in dem großen Gebetsruf: Ach, Gott ich bitte dich so sehr, sei du bei uns und allen Menschen, bei Nahen und Fernen, bei Bekannten und Fremden, dass wir bewahrt seien und dass wir aufgehoben bleiben in der Güte und in der Liebe.
Und schon merken wir, wie seltsam konstruiert ein Gegensatz von Herz und Kreuz wäre. Nein im Gegenteil Herz und Kreuz gehen Hand in Hand. Das Kreuz gehört ins Herz gemalt. Auch und gerade an einem Wahltag am Valentinstag. Wir wählen ein neues Presbyterium, aber wir feiern und bekennen die Liebe. Die Liebe zur Kirche. Die Liebe zu Gott. Und in all dem: Die Liebe zum Leben.
 
aus der Predigt von Pfarrer Wolfgang Theiler am 14. Februar